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Oran (1.5 Millionen Einwohner)Auf den ersten Blick ist Oran ein Ameisenhaufen, eine ganz gewöhnliche Hafenstadt. Zuerst wurde sie zur Heimat andalusischer Flüchtlinge. Danach wurde sie während drei Jahrhunderten eine militärische Enklave Spaniens für den Kampf gegen die Ungläubigen. Das spanische Militär wurde später abgezogen, die Zivilisten sind aber geblieben. Und dann kamen die Franzosen. Auf der einen Seite der Schlucht, welche die Stadt trennt, winden sich die Gassen der mittelalterlichen Medina. Auf der anderen Seite drängt sich die Stadt des 19. und 20. Jahrhunderts. Oran ist eine Stadt lauter Widersprüche. So zählt Sie mehr Kirchen als Moscheen. Von einem der zahlreichen Aussichtspunkte kann man sich eine Übersicht schaffen. Der Blick reicht bis zu den Industrieviertel beim Hafen. Es ist Handelszentrum für die reichen Agrarprodukte Westalgeriens. Eine Abzweigung der Erdgas-Pipeline aus Hassi R’Mel führt über Oran. Hier wird Eisenerz verarbeitet. Metall- und chemische Betriebe, Zement- und Textilfabriken schaffen Arbeitsplätze. |
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Oran ist der Schauplatz und seine Gassen bilden den Hintergrund für Albert Camus Bestseller, Die Pest. „Gezwungen, mit einer der wundervollsten Landschaften vor Auge zu leben, haben die Bewohner von Oran diese schwierige Prüfung bestanden, indem sie sich mit hässlichen Bauten umgaben. Man erwartet eine Stadt, die gegen das Meer hin offen ist, gebadet und erfrischt vom Abendwind. Und man findet eine Stadt, die mit Ausnahme des Quartier Espagnol und des neuen Boulevard Front-de-Mèr dem Meer den Rücken kehrt, die sich in sich selber windet wie die Spirale einer Schnecke.“ Albert Camus, 1939, „Le Minotaure ou la Halte d’Oran. Camus arbeitete in Oran als Schauspieler, Journalist und Lehrer. Hier schloss er sich 1942 der Résistance an, gründete die illegale Zeitung „Combat“. Aus seinen Texten kann man lesen, dass Camus die Stadt nicht geliebt hat. Aber dank seinen Texten wurde diese ganz gewöhnliche Stadt zu etwas besonderem. „Diese reiz-, pflanzen- und seelenlose Stadt“ ist stets präsent im Frühwerk des algerisch-französischen Nobelpreisträgers.
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SehenswertesAltstadtErinnerungen an die Vergangenheit bewahrt die Altstadt mit den spanischen Hausfassaden und den spanischen Straßennamen. Darüber herrscht der Monte Christo mit der ursprünglichen spanischen Festung Chateau-Neuf, dem ehemaligen Regierungssitz der spanischen Gouverneure. Ein riesiges Gebäude, an dem fast 140 Jahre gebaut wurde. Etwas weiter unten die Kirche Santa Cruz, welche sich im Spanienviertel La Blanca befindet. Östlich wuchs die französische Stadt mit dem Hauptplatz Place 1er Novembre, heran. Hier steht das etwas pompöse Opernhaus und das Rathaus, Hôtel de Ville. In dem nach Norden abfallenden Stadtteil, bauten die Türken nach dem Erdbeben von 1792 die Große Pascha Moschee. Der Bau des Gebetshauses bildete das Ende der spanischen Herrschaft. Sie wurde mit Lösegeldern für christliche Gefangene finanziert. Neben der Moschee steht ein renoviertes Wohnhaus aus dem Jahre 1700. Es gehörte dem reichen Tabakhändler Hassan, der im Jahre 1812 zum Bey von Oran ernannt wurde. Etwas weiter spazierend kommt man in das geschäftige Judenviertel mit seiner Snagoge. Am Boulevard Hamou Boutlelis steht die katholische Kathedrale Sacré-Cour, 1913 gebaut und ist der Sitz des Bischofs von Oran. National Museum, Musée National Ahmed ZabanaDas Museum befindet sich in einem weißen Bau mit Säulenfront und Jugendstilmosaiken aus dem Jahre 1930. Eine prähistorische Abteilung mit Funden aus Nordwest Algerien, eine archäologische Sektion mit punischen und römischen Inschriften, Mosaiken, Statuen und einer Kollektion römischer Alltagserzeugnisse wartet auf den Besucher. Auch die islamische Vergangenheit ist mit kunstvollen Inschriften und Ornamenten vertreten. Die Gemäldegalerie wartet mit Werken des französischen 17. Jh. auf. Die ethnographische Abteilung zeigt Erzeugnisse der Araber, Kabylen, Tuareg, aus Marokko bis hin nach Schwarzafrika. In einem weiteren Saal finden sich Fotos und Erinnerungsstücke aus der spanischen Besatzungszeit und den frühen Jahren der französischen Kolonie und der Befreiungskämpfe. Geöffnet von Samstag bis Donnerstag von 8h30 bis 12h und 13h30 bis 17h. Eintritt Erwachsene 20 Dinar, Kinder 10 Dinar. |
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Tlemcen (150.000 Einwohner)Nicht zu unrecht vergleicht man Tlemcen mit dem andalusischen Granada. Haben doch im 12. Jh. die Erfahrungen und das Wissen maurischer Andalusier den Wiederaufbau der alten Siedlung Agadir stark beeinflusst. Die berberischen, arabischen und spanisch-maurischen Künstler ergänzten sich so, dass einmalige Gebäude entstanden, welche bis heute erhalten blieben. Im Jahre 1555 kamen die Türken und mit ihnen der Niedergang der Stadt. Während der ersten Jahre der Kolonialzeit versuchte der Sultan von Fes die Stadt zu übernehmen. Sie fiel aber 1842 in die Hände der Franzosen, welche sie zu Algerien schlug.Tlemcen liegt auf 800 m Höhe inmitten einer fruchtbaren Landschaft und lehnt sich im Süden an einen bewaldeten Gebirgszug. Hier findet der Reisende die schönsten islamischen Bauten in ganz Algerien. Man fühlt sich in Marokko. Die Grenze ist nah und die Geschichte der Stadt mit dem Nachbar eng verbunden. In 600 Jahren haben sie keine Erneuerung noch Änderung erfahren und der gleiche Baustil wird auch heute noch angewendet. Im Zentrum des Ortes finden wir die Almoraviden Moschee aus dem Jahre 1336. Der Gebetssaal ist 60 x 50 m groß und zählt 13 Schiffe, davon das Mittelschiff mit zwei Kuppeln. Die rot-weißen Bögen und die vielen Details des Mihrab erinnern an die Moschee von Cordoba.In der Sidi Bel Hassan aus dem Jahre 1296 bestaunen wir vor allem die prachtvolle Artesinado-Decke aus dunklem Zedernholz.Die Moschee Sidi Brahim im Stadtviertel der Kuluglis wurde zu Ehren des islamischen Heiligen Sidi Brahim errichtet, der in der reich ornamentierten Koubba begraben ist.Das reichhaltige Dekor am Haupteingang und in den Bogenwölbungen des Gebetssaals der Sidi Boumedienne Moschee erinnert uns an die andalusische Ornamentik. Neben der Moschee steht der Grabbau, Koubba, des islamischen Heiligen Bou Medine, der hier auf einer Reise nach Marrakech gestorben ist.Etwas außerhalb der Stadt gelegen befand sich die Stadt Agadir, gegründet vom Araber Idris I. Der Ort wurde auf den Resten der römischen Siedlung Pomaria gebaut. Im 11. Jh. dehnten die Almoraviden ihre Macht nach Spanien und Nordafrika aus und legten gegenüber der Stadt ein neues Viertel, genannt Tagrart an. Hier wurde später die Zitadelle errichtet. Während der Blütezeit des Kalifates von Cordoba kamen maurisch-andalusische Kunsthandwerker in die Gegend und machten aus der Gegend eine Kunstprovinz. 1303 entstand eine Moschee mit 85 m Länge, 60 m Breite, 13 Schiffe, 6 Joche, drei transversale Schiffe vor dem Mihrab, darüber eine 14 m hohe Kuppel, 12 Eingangstore und in der Achse der Gebetsnische das Minarett. Nach der Zerstörung im 14. Jh. ist bis heute das Minarett teilweise stehen geblieben. Der Baustil des Minarettes erinnert uns an seine Schwestern in Sevilla, Rabat und Marrakech.Nicht vergessen darf man das jüdische Grabmal des Rabbi Ephraim Ali Kaoua, der hier im Jahre 1442 starb und bis heute Wallfahrtsziel vieler Juden geblieben ist.Nur 7 km von Tlemcen finden wir in Aïn-Fezza Grotten, Quellen und den Wasserfall von El-Ourit. Im 33 km entfernten Ouled Mimoun findet der Reisende römische Ruinenreste der Siedlung Altava und Kasbah-Ruinen. |
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