westlicher erg
Weiter geht die Fahrt zunächst Richtung Süden. 60 herrliche Kilometer durch die Wüste werden durchfahren. Eine Abzweigung, die N 1 führt weiter südlich bis nach In Salah und Tamanrasset. Unsere Route führt nach Westen, knapp 300 km bis Timimoun. Das Asphaltband verbindet die verstreuten Oasen an seinem Weg.
Verloren in der Einsamkeit liegt die sozialistische Siedlung M’guiden, Heimat der Nachkommen der Sklavenbauern, der Harratin. Etwa 1150 Hektar fruchtbares Land lebt von Wasser, das aus mehreren hundert Meter Tiefe kommt. Die Moschee und der Marktplatz dürfen auch in dieser Oase nicht fehlen.
Timimoun
Diese sehenswerte Oase liegt am Rande des Tademaït-Plateaus. Unter den Franzosen wurde sie mit sudanesischen Bauten geschmückt. Das leuchtende Rot der Lehmhäuser, zwischen denen enge Gassen führen, sind umgeben vom Grün der Gärten. Die Wohnhäuser der Neustadt sind in rot und weiß gestrichen und haben blaue Fensterläden. Timimoun war kein wichtiger Posten an der Goldstraße aus Schwarzafrika. Eher ein Hauch des Islam ist in seinen Gassen zu spüren. Das lebensnotwendige Wasser gewinnt man durch unterirdische Kanalstollen, welche auf einer tonhaltigen Gesteinslage das Wasser der Berge vor der Verdunstung schützt. Solche Stollen zu schaffen war ein aufwändiges Unternehmen. Alle paar Meter mussten Schächte in die Tiefe gegraben werden, von deren Sohle aus dann der Verbindungsstollen mit einen gleichmäßigen Gefälle gegraben wurde. Vielerorts sind sie verfallen, in Timimoun aber sind sie noch in Betrieb.
In den Gärten des Palmenhains verfolgt uns das fröhliche Lachen der Kinder, die wehenden bunten Röcke der Frauen, die Freundlichkeit der Männer und das Wasser, das in allen Richtungen fließt. Am Fuß der Steilwand, die Timimoun trägt, sprudelt das Wasser hervor. Ein kompliziertes System von Steinwehren, von denen zahlreiche Gräben ausgehen, wird das wertvolle Nass verteilt. Mit flachen Steinen lassen sich jene Rinnen schließen, deren Eigentümer bereits die zustehende Tagesration Wasser bekommen haben. Mit gleichen Mitteln von Schleusen und Rinnen organisiert jeder Bauer die Verteilung des Wassers auf seinen Feldern. Die Bilder in jeder Oase ähneln sich und doch sind sie immer wieder neu, man kann sich kaum satt sehen.
Von den Gärten kommt man zur Altstadt mit ihren engen staubigen Gassen, welche zwischen fensterlosen Außenmauern der rötlichen Lehmhäuser durchführen. Jedes Haus hat seinen Innenhof.
Die Häuser sind dicht aneinander gebaut. Das Obergeschoss eines Hauses kann auch über die Gasse hinweg auf das Untergeschoss des Nachbarn gebaut sein. Somit entstehen kühle dunkle Gassen und der Hausbesitzer gewinnt Wohnraum. Sollte der Erbauer diesen Raum nicht mehr benötigen, kann er ihn dem Nachbarn übermachen. Die Besitzgrenzen sind somit variabel. Die Häuser sind untereinander verwickelt und verzahnt. Dachterrasse und Innenhof sind von außen nicht einsehbar.
Die Mauern sind dick, damit sie die Deckenlast tragen können und isolieren gleichzeitig gegen die Hitze. Nur vor der alten Moschee mit ihrem nach oben sich verjüngenden Minarett finden wir einen kleinen Platz, auf dem mehrere Gassen münden.
Besichtigen sollte man das Hôtel de l‘Oasis Rouge, erbaut von Missionaren in den frühen 1900er Jahren, heute ein Museum. Täglich geöffnet, ausser Freitag von 8h-12h und 15h-19h
 
Halbtägige Rundfahrt durch die Sebkha
Wenn diese Rundfahrt auch von einem normalen Personenwagen gemeistert werden kann, ist trotzdem empfehlenswert sich wegen den Risiken von Sandverwehungen und wellblechartigen Oberflächen vor Ort einen Geländewagen zu mieten.
Die ersten 15 km führen über ein ödes Plateau, wo runde Kiesel, so groß wie Billardkugeln unter den Reifen davon schnellen. Die Strecke nähert sich der steilen Felswand, welche die Ebene mit mehr als 100 m überragt. Unter uns liegen verstreut in kargen Palmenheinen Dörfer, die von Sand uns Salz bedrängt werden. Immer wieder treffen wir auf Ruinen von alten Festungen, Ksar, welche den Bewohnern Schutz vor den Überfällen der Chaambas und Touaregs boten. Diese eindrucksvollen Bauten verfallen heute unter der Einwirkung des Windes. Ighzer wurde in eine tiefe Grotte hinein gebaut, wo die Bewohner im Sommer eine angenehme Kühle finden. Oumrad und Feraoun sind von viereckigen Gärten umgeben. Tindjillet ist der höchste, größte und der imposanteste Ksar. Man hat drei Niveaus von Bewohnung und Grabstätten entdeckt, welche dem sukzessiven Absinken des Sees entsprechen, dessen Wasser in einer vorgeschichtlichen Zeit bis zu der Felswand reichte. Die heutige Sebkha ist somit nicht anderes als der alte Seegrund. In Semouta, letzter Ort dieser erstaunlichen Reihe von Siedlungen, erhebt sich eine pyramidenähnliche Ksar, unmittelbar in der Nähe der ersten Dünen der Großen Erg. Der Rückweg führt über Ouled Saïd mit sehr gut gepflegten Baumgärten oder über eine Wellblechpiste bis nach El Goléa.
Nach 150 km von Timimoun gelangt der Reisende in die Saoura-Senke, das Becken eines 1200 km langen Urzeitflusses, der sich ebenfalls von der Oberfläche ins Grundwasser zurück gezogen hat. Nach Wüstengewitter, wie im November 1967, kann sich die Senke wieder in einen reißenden Fluss verwandeln. 1969 wurde ein Staudamm bei Djorf Torba fertig gestellt, welcher solche Katastrophen bis heute verhinderte.
Weiter auf unserem Weg kommen wir bei den Töpfern des Oasendorfes Charouïne vorbei. Bei der kommenden Straßenverzweigung führt nach links eine Asphaltstraße bis nach Adrar, ebenfalls mit Bauten im sudanesischen Stil. Weitere 200 km bis Reggane sind ebenfalls noch gut befahrbar. Dort beginnt dann die berühmt, berüchtigte Tanezrouft Piste, die nach 1300 km nach Gao am Niger führt.
Diese Strecke kann nur mit gut ausgerüsteten Fahrzeugen und wüstenerprobten Fahrern gemeistert werden.
An diesem südlichsten Punkt unseres Reisevorschlages Oasen der Sahara nehmen wir die Straße nach rechts, in nordwestlicher Richtung. Als erstes treffen wir auf die Siedlung von Ouled Khouder, hinter einem Dünenkamm in einer Senke, zwischen Palmen- und Sträuchern gelegen. Neben der halb verfallenen Altstadt liegt die genormte sozialistische Siedlung.
Schwarz-graue Berge säumen unseren Weg, dahinter schimmern goldgelb die Dünen der Westlichen Erg. Im Zentrum der Oase Kerzaz kann man sich erfrischen, Einkäufe erledigen und natürlich tanken. Ein Spaziergang hinüber zur alten Stadt, einer bilderbuchschönen Dorf-Oase lohnt sich bestimmt. In der Flusssenke liegt ein mit Schilf umgebener Dorfteich. Mehrere Kettara Ziehbrunnen stehen in den blauen Himmel. Hinter den Palmen sieht man das kompakte Lehmdorf, überragt vom Minarett. Im Hintergrund die hohen Sanddünen. Man versteht bei diesem Anblick, warum Kerzas so berühmt ist.
 
Die weitere Strecke Richtung Norden bildet gewissermaßen die natürliche Trennungslinie zwischen der grauschwarzen Hamada im Westen und dem rötlichen Sand des Erg im Osten. El Ouata, rechts abseits der Route ist die bedeutendste Oase des Saouragebietes.
Beni-Abbès
Um ins Zentrum der Ortschaft zu gelangen, umfährt man das Saoura-Tal und den Oasenhain mit nur 10.000 Dattelpalmen und mit mancherlei Obstbäumen. Die Gegend sei bereits seit dem Neolithikum bewohnt gewesen. Palmen, von deren Kultur die Bewohner heute leben, kennt man aber erst seit dem 9. Jhd. Etwas später entstanden im Oasenbereich zwei befestigte Dörfer, Ksour, welche sich nach der Ankunft der Franzosen im Jahre 1901, entvölkerten. Seit 1957 wurden die restlichen Bewohner, aus militärischen Gründen im neugebauten Zentrum des heutigen Ortes angesiedelt. In der Nähe des Hotels befindet sich eine Forschungsstelle für die saharische Trockenzone und ein kleines Museum mit Fossilien, prähistorischen Geräten, Beispiele der Volkskunst und ein winziger Zoo mit Tieren aus der Wüste. Ganz in der Nähe befindet sich die Einsiedelei von Pater Foucauld, die er sich mit eigenen Händen gebaut hatte. Hier lebte er mit Unterbrechungen von 1901 bis 1905, bis er dann in den Hoggar zog. Neben der schlichten Kirche steht das Heim der „Kleinen Brüder“, die sich über jede Spende freuen. Beni-Abbès gilt als einer der heißesten Orte Algeriens. Am Hang unter dem Palmenhain haben sich Legionäre einst ein Schwimmbad angelegt. Herrlich sich im Süßwasser, das tausende von Jahren in unterirdischen Reservoiren geschlummert hat, sich zu erfrischen.
Nach rund 30 km biegt unsere Route rechts ab ins „Tal der Toten“, eine unbarmherzig harte Wüstensteppe. Den makabren Namen verdankt das Tal, was eine uralte Flussebene ist, dass es Schauplatz von Kämpfen zwischen Berbern und Arabern und später zwischen Franzosen und Marokkanern, war. Das Tal des Oued Saoura führt nach Regentagen noch heute Wasser in die Oasen.
Iglis ist eine kleine Oase am Fluss mit Lehmhäusern, einem Marabut und Moschee. Die Bauten erinnern uns an Südmarokko, welches ja auch bis ins 17 Jhd. über diese Region herrschte. Man befindet sich hier im Gebiet eines nicht genau definierten Grenzverlaufes zwischen Algerien und Marokko. Mit Militärkontrollen und Fotoverboten hat man zu rechnen. Das Gebiet gehörte zu den einstigen Weidegründen der Polisarios. Staumauern und moderne Bewässerungsanlagen machen inmitten der Dürre grüne Gärten möglich.
Taghit wird von einem alten Ksar überragt. Bei Sonnenuntergang glänzen die mehr als 150 m hohen Dünen hinter der Oase goldig. Ein einmaliges Bild!
Nur wenige Kilometer, am Ostufer des Tales entdeckt man an einer Felswand aus dunklen Blöcken seltsame Gravuren: Zeichnungen von Rindern, Strauße und fremden Mischwesen.
Béchar
Nach über 1000 km durch die Wüste kommt einem Béchar als eine große Stadt vor. Hier gibt es Zeitungen, Buchladen, Reparaturwerkstätten, Kino, alles was man die letzten Tage eigentlich nicht vermisst hat. Aber man bemerkt es erst, wenn man die vertraute Zivilisation wieder vor sich hat. Béchar ist aber auch die Hauptstadt des algerischen Eisenerz- und Kohlenabbaus. Bereits bei der Anreise erscheinen die Industrieanlagen links und rechts der Straße. Die ersten mehrstöckigen Wohnblocks des sozialen Wohnungsbaus, gestrichen in der gleichen rosa Farbe, wie auch die anderen niedrigen Häuser, weisen auf eine Stadt mit mehr auf 30.000 Einwohner hin. Dem Reisenden, der aus der Wüste kommt, hat die Stadt nicht viel zu bieten. Eine gotische Betonkirche, Kreisverkehr mit Brunnen, Supermarkt und Marktplatz und eine neuen Moschee. Die Zivilisation hat uns wieder, wenn auch die Hauptstadt Algier noch fast 900 km entfernt ist.
Eine gut ausgebaute Straße, begleitet von der Bahnlinie, führt nach Nordosten. Links die Bergkette des Chebel Antar, rechts von der Straße gezackte Bergketten. Hier tobte 1962/63 der Grenzkrieg, den wir in Europa nicht einmal zur Kenntnis genommen haben. Nächste Ortschaft ist Beni Ounif, eine trostlose Stadt, aber auf dem dortigen Friedhof ruht Sidi Sliman Bousmala, ein frommer Moslem, der mit wenigen Getreuen den Franzosen während Jahren Widerstand leistete. Die Höhenzüge auf beiden Seiten des Weges ziehen sich auf einmal zur Schlucht von Moghrar zusammen.
 
Aïn-Sefra
„Die gelbe Quelle“ liegt auf über 1000 Meter im Schatten des Dschebel Mekter. Prächtige, lange Sanddünen umgeben die Garnisonenstadt mit Kaserne. Von hier aus brachen die Franzosen 1903 zur Kolonalisierung Marokkos auf. Und hier, am 21. Oktober 1904 wurde Isabelle Eberhardt Opfer plötzlicher Hochwasser.
Der Ort bietet sich als Ausgangspunkt für eine Rundfahrt zu einigen bedeutenden Felsbilder der Umgebung an. Es ist von Vorteil einen einheimischen Führer zu nehmen, um die oft recht unauffälligen Stellen auch zu finden. Als grobe Orientierung kann man sagen, dass die Felsgravuren sich etwas abseits der Straße von Aïn-Sefra über El Bayadh und die Siedlung Laghouat befinden.
Die Gravuren vom Djebel Mahisser bieten eine Elefantenherde in rosigem Stein mit hoher optischer Sensibilität der Steinzeitmenschen. Bei Chellala-Dahrania stehen in rötlichen Felsen die Bilder längst ausgestorbener Tiere.
Jenseits des mit Palmen bepflanzten Oued bei der Ortschaft Tiout findet man an einer Felswand Darstellungen von Rindern, Strauße, einem besonders lebendigen Elefanten, von jagenden Menschen und festlichen Riten.
Von Aïn-Sefra führt ein Weg nach Norden, nach Tlemcen und weiter nach Oran. (Siehe Seite xx)
Richtung Osten führt eine Straße zum Verkehrsknotenpunkt von Aflou. Von hier aus geht es nördlich, etwa 180 km, durch eine öde Landschaft der Hauts Plateaux nach Tiaret, einem auf über 1000 m gelegenen bedeutenden Marktort zwischen Tell-Atlas und Steppe. Hier folgt man den Wegweiser nach Algier.

WEITERE INFOSEITEN: Gabun - Kamerun - Kongo-Brazza

 

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